Ludwig Klages. Der Geist als Wiedersacher der Seele (1929)

In den Jahren von 1929 bis 1939 erschien schliesslich in drei Bänden Klages’ philosophisches Hauptwerk Der Geist als Widersacher der Seele. Es stellte ein umfassendes System der Philosophie dar, in dem alle grundlegenden, traditionell überkommenen Fragen und Probleme der abendländischen Philosophie behandelt werden. Nur einige wenige Themen können hier angedeutet werden.

Entgegen der seit Descartes üblichen Gegenüberstellung von Geist und Materie nimmt Klages die im Altertum bekannte Dreiteilung von Geist – Seele – Leib wieder auf, gibt ihr aber eine neue Deutung. Seele und Leib sind zusammenhängende “Pole der Lebenszelle”, in die an der Schwelle der Weltgeschichte der ausserraumzeitliche, akosmische Geist spaltend eingedrungen ist. – Jedes zeitliche und räumliche Kontinuum kann theoretisch unendlich geteilt werden, woraus sich die Notwendigkeit der Annahme eines raumzeitlosen mathematischen Punktes ergibt. Wir benützen den mathematischen Punkt z.B. ständig, sooft wir feststellen, wie viel Uhr es ist. “Die Teilungspunkte, mittelst deren wir die Stunde in sechzig Minuten zerlegen, sind offenbar dauerlos, weil sonst die Stunde nicht mehr aus sechzig Minuten bestände, sondern aus sechzig Minuten, vermehrt um die Dauer der Teilungspunkte.” Der mathematische Punkt wird durch den ausserraumzeitlichen geistigen Akt gesetzt und bildet die Voraussetzung nicht nur für jede Messung, sondern auch für die Feststellung des Denkgegenstandes oder Dinges und damit für das begreifende Denken. Der Denkgegenstand wird vom geistigen Akt aus der erlebten phänomenalen Wirklichkeit als für eine gewisse Zeit identisch herausgehoben. Was dabei begriffen wird, ist lediglich die Identität und Diskontinuität des Denkgegenstandes, nicht die nur erlebbare fliessende und zusammenhängende Erscheinung. Ist der mathematische Punkt raum- und zeitlos, so kann keine noch so grosse Zahl von Punkten die Stetigkeit von Raum und Zeit ersetzen, und keine Interpolation von mathematischen Punkten bringt uns dem nur erlebbaren Stetigen näher. Schliessen sich somit mathematischer Punkt und erlebtes Kontinuum aus, so muss das Erleben, dessen Gegenstück das Wirklichkeitsgeschehen ist, von der aktartigen Funktion wesensverschieden sein, woraus sich der metaphysische Dualismus von Geist und Wirklichkeit oder Geist und Leben ergibt.

Der Geist als Wiedersacher der Seele (PDF)
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